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Milchpakete lösen keine Probleme

Der Landesbauernverband Brandenburg e.V. berechnet in einer aktuellen Pressemeldung die Wirkung der Hilfsprogramme und kommt zu dem Schluss, dass alle Hilfspakete für den einzelnen Landwirt nur sehr wenig bewirken.

Heute um 12 Uhr mittags läuft die Frist für den ersten Teil des EU-Hilfspaketes für Milchviehhalter ab. Bis dahin haben Landwirte, die im vierten Quartal 2016 weniger Milch als im Vorjahreszeitraum abliefern wollen, noch Zeit, Anträge auf finanzielle Unterstützung zu stellen. Allerdings geht der Landesbauernverband Brandenburg davon aus, dass alle Hilfspakete für den einzelnen Landwirt nur sehr wenig bewirken.

„Ohne Zweifel ist es gut, dass unsere Existenznot in der aktuellen Krise erkannt wurde“, sagt Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes. „Allerdings werden bei unseren Bauern keine Millionen eingehen, sondern bestenfalls symbolische Beträge.“

Sieht man sich im Folgenden ein mögliches Szenario für einen typischen Brandenburger Milchviehbetrieb genauer an, erkennt man schnell, wie wenig die Hilfspakete ausmachen. Für diese Beispielrechnung wurde ein Betrieb mit 250 Milchkühen angenommen, der im Jahr 2,4 Mio. Liter erzeugt. Bei dem durchschnittlichen Milchpreis der letzten 12 Monaten von 23 Cent je Liter, der einem kostendeckenden Preis von mindestens 35 Cent pro Liter Milch gegenübersteht, hat der Betrieb in diesem Zeitraum einen Verlust von fast 300.000 Euro gemacht. Dies ist von vielen Betrieben nicht mehr zu kompensieren.

Nimmt nun der Beispielbetrieb das Hilfspaket der EU in Anspruch und reduziert seine monatlich abgegebene Menge von Oktober bis Dezember 2016 beispielsweise um insgesamt 30.000 Liter, kann er bei einer Unterstützung in Höhe von 14 Cent pro reduziertem Liter maximal 4.200 € als Unterstützung erhalten. Würde dieser Betrieb seine Produktion aber wie bisher aufrechterhalten, würde er trotz des niedrigen Milchpreises von 23 Cent Mehreinnahmen in Höhe von 6.900 € im Quartal erwirtschaften.

Will der Betrieb darüber hinaus das geplante, aber noch nicht endgültig beschlossene nationale Hilfspaket des Bundes annehmen, darf er die Milchproduktion nicht steigern. Handelt er dementsprechend, kann eine Unterstützung von 0,36 Cent je Liter für die gesamte Produktionsmenge gewährt werden, was unter den angenommenen Voraussetzungen 8.640 Euro für ein Jahr ausmachen würde. Dies gilt aber nur, wenn nicht zu viele Betriebe diese Mittel beantragen.

Unser Beispielbetrieb könnte derzeit also Unterstützung in Höhe von etwa 13.000 Euro erhalten. Würde der Milchpreis allerdings in den nächsten drei Monaten um 2,5 Cent steigen, was sich am Markt vorsichtig abzeichnet, könnte der Betrieb allein aus seiner Milchproduktion in einem Quartal mindestens 15.000 Euro mehr erlösen.

Das Fazit des Landesbauernverbandes Brandenburg:

Die finanziellen Hilfen der EU und des Bundes lösen die derzeitigen Liquiditätsprobleme der Milchproduktionsbetriebe nicht. Das Problem der ruinösen Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels bleibt weiterhin bestehen.

Henrik Wendorff forderte deswegen die Milchindustrie und den Lebensmitteleinzelhandel auf: „Sichern Sie uns für unsere Arbeit endlich Preise, mit denen wir nachhaltig wirtschaften können. Zeitgemäße Vertragskonditionen sind das beste Mittel, um solche existenzbedrohenden Situationen wie die aktuelle in Zukunft vermeiden zu können.“ Brandenburgs Bauernpräsident erneuerte auch die Forderung des Landesbauernverbandes nach einer von der Politik eingerichteten Risikovorsorge für die stets von Preisschwankungen betroffenen Landwirte.

Pressemeldung des LBV Brandenburg e.V. vom 20.09.2016