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Tag des Fleischrindhalters - Herdenmanagement von Mutterkühen

Am 9. November 2017 lockte das Thema „Herdenmanagement von Mutterkühen“ mehr als 130 Fleischrindzüchter und Mutterkuhhalter nach Götz. Neben „Bottle-Necks“ oder auch „Flaschenhälsen“ standen Herdenmanagementprogramme sowie das brisante Thema Wolfsabwehr auf dem Programm.

Die Leistungsprüfung im Rahmen von Wägungen bildet die Grundlage für Selektion und Zuchtfortschritt und ist die beste Eigenkontrolle der Betriebsproduktivität. Mit insgesamt 46 geprüften Bullen aus sechs Rassen ist die stationäre Eigenleistungsprüfung komplett ausgelastet. Verbesserte Haltungsbedingungen, scharfe Selektion und der Einsatz von guten Zuchttieren machen sich deutlich bezahlt.

Mit einer Zwischenkalbezeit von 370 Tagen oder weniger kommt ein Großteil der Rassen dem Anspruch „Jedes Jahr ein Kalb“ sehr nahe. Vor allem Angus (361 Tage) und Charolais (364 Tage) liegen auf einem hervorragenden Niveau. Auch bei der Normalgeburtenrate und dem Erstkalbealter haben sich die Zahlen verbessert, was für die gute Kondition der Färsen bei Produktionseintritt spricht.

Erfreulich stimmen im Jahresrückblick auch die Vermarktungszahlen. Nicht nur die Bullenauktion und die „Best of“ verliefen positiv, insgesamt wurden 790 Fleischrinder vermarktet und damit deutlich mehr als im Vorjahr.

Die Ergebnisse aus der Zuchtwertschätzung zeigen, wie hoch die Qualität der noch sehr jungen Brandenburger Fleischrindzucht ist. Seit mehreren Jahren wird die Pole-Position sowohl bei der Charolais-, als auch bei den Fleckviehkühen von Brandenburger Damen gehalten. Die Charolaiskuh „Celine P“ (Züchter: Manfred Besing; Besitzer: Gerd Sommer) hält sich mit einem RZF von 128 an der Spitze. Schauikone „RGK Blanka P“ aus der Karstädter Rinder GmbH belegt mit einem sagenhaften RZF von 132 Platz zwei bei der Rasse Fleckvieh Fleisch. Auch der beste deutsche Bulle dieser Rasse ist in Brandenburg im Deckeinsatz. „Ursus Pp*“ überzeugt mit einem RZF von 136 und lieferte in diesem Jahr eine ganze Reihe überdurchschnittlicher Zuchttiere auf dem Betrieb von Manfred & Marco Glaser. Bei den Nicht-RZF-Rassen sind vor allem die Dexter stark vertreten. Fünf der zehn besten Bullen stammen aus Brandenburg und mit Ramintana (Andreas Grunewald) auch die beste deutsche Kuh.

Seit 2009 ist die Ehrung herausragender Zuchttiere wichtiger Bestandteil des „Tag des Fleischrindhalters“. Die anspruchsvollen Kriterien sind mindestens zwölf Nachkommen, bei einer ZKZ ≤ 365 Tage und einer Mindesteinstufung von 7/7/7. Dabei sollen RZL und der maternale Zuchtwert ≥ 100 sein. In diesem Jahr wurden folgende vier Kühe aufgrund dieser beachtlichen Leistung ausgezeichnet:

Carlotta P (Putz x Redsim)
geb.: 19.03.2003, Fleckvieh Fleisch
Züchter/Besitzer: MURI GmbH – Rinderhaltung – , Lübben
EKA 27 – K/K 13/12 – ZKZ 357 – 7/7/7 – ZWmat 100 – RZL 104

Karla P (Hanno x Hasko)
geb.: 22.03.2003, Fleckvieh-Fleisch
Züchter: LPL GmbH Rambower Moor; Besitzer: Landschaftspflege GmbH Lenzen
EKA 25 – K/K 12/13 – ZKZ 362 – 7/7/7 – ZWmat 104 – RZL 117

Elda P (Imperial x Pikos)
geb.: 26.02.2004, Fleckvieh-Fleisch
Züchter: Agrargenossenschaft Trebbus mbH; Besitzer: Gesellschaft für extensive Rinderhaltung, Gerdshagen
EKA 26 – K/K 12/13 – ZKZ 354 – 8/7/7 – ZWmat 109 – RZL 100

Isabella P (Inco x Rene)
geb.: 14.06.2003, Hereford
Züchter/Besitzer: Hereford Mutterkuh GmbH, Münchehofe
EKA 34 – K/K 12/13 – ZKZ 364 – 7/7/7 – ZWmat 102 – RZL 113

Auch der Zuchtbulle mit dem besten Prüfabschnitt in der Eigenleistungsprüfung wurde ausgezeichnet:

Max Pp* (Madero x Noah)
geb.: 02.03.2016, Uckermärker
Züchter: Agrargenossenschaft Wutzetz eG, Friesack
Körung: 8/9/8 G             PTZ 1.803 g - RMF 106 cm²

Grundlage einer erfolgreichen Herdenführung ist die gewissenhafte Dokumentation, kombiniert mit einer effektiven Auswertung der gewonnenen Daten. Uwe Mäser (dsp-Agrosoft GmbH) und Andrea Schmitz (vit Verden w.V.) stellten die entsprechenden Angebote ihrer Unternehmen vor: das Programm HERDE von dsp-Agrosoft, sowie das direkt an das Herdbuchsystem angegliederte NETRINDfleisch vom vit.

Und wie gestaltet sich erfolgreiches Herdenmanagement in der Praxis? Gerd Zielke, Herdenmanager des größten Uckermärkerzuchtbetriebes, der Delta Passow GmbH, schilderte seine Erfahrungen sehr anschaulich im ersten Praxisbeitrag. Sein wichtigstes Selektionskriterium: der Charakter seiner Tiere. Konsequenter Selektion verdankt er seine heute sehr umgängliche Herde und hat kaum noch Tiere, die wegen auffälligen Verhaltens aus Sicherheitsgründen gemerzt werden müssen.

Tierarzt Mark Samorski referierte anschließend sehr lebhaft zum Thema „Flaschenhälse und ungenutzte Ertragspotentiale“. Als Spezialist für Rinder ist er seit vielen Jahren sehr aktiv auch in der Beratung tätig und stellte sehr bildlich dar, welche Kennzahlen die Rentabilität der Produktion beeinflussen und worauf bei der Mutterkuhhaltung vor allem im Bereich Herdenmanagement, Fütterung und Prophylaxe Wert zu legen ist.

Ein Thema, welches viele Weidetierhalter seit längerer Zeit stark beschäftigt, ist die wachsende Wolfspopulation im Land Brandenburg. Die Übergriffe auf rinderhaltenden Betrieben nehmen zu, und die Angst vor gerissenen Kälbern, in Panik geflüchteten Herden und womöglich unzureichendem Versicherungsschutz lässt die Landwirte nicht mehr ruhig schlafen. Im Vortrag von Dr. Michael Jurkschat vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) stand neben dem Einsatz von Herdenschutzhunden und -eseln vor allem der fünflitzige Zaunbau auf dem Prüfstand. Er gilt derzeit als wirksamster Schutz vor Wolfsübergriffen. Demgegenüber steht ein nicht zu vernachlässigender Kostenaufwand für Material, Instandhaltung und Pflege sowie daraus resultierendem Arbeitsaufwand. Die Auswertung zeigte deutlich, dass diese Maßnahme aus praktischer und finanzieller Sicht für viele Mutterkuhhalter schlicht und ergreifend nicht umsetzbar ist und jeglichen Kostenrahmen sprengt.

Swen Keller, Mutterkuhhalter aus Sachsen-Anhalt mit Rissgeschehen in seiner Herde, demonstrierte im Anschluss dankenswerterweise, wie der Aufbau einer fünflitzigen Zaunanlage durchführbar ist. Immer mit der Betonung, dass dieser Zaun keine Lösung, sondern unter den gegebenen Bedingungen einen annähernden Schutz bietet, wurde eine technische Lösung des britischen Zaun-Vertriebs RAPPA® vorgeführt. Die angeregten, aber sachlichen Diskussionen während der Veranstaltung zeigten erneut die Brisanz des Themas. Die RBB GmbH bringt sich in vielen Gremien für die Rinderhalter ein und steht als Sprachrohr im Ministerium, dem Landesamt und der Öffentlichkeit für die Interessen ihrer Züchter ein.

Insgesamt war es ein Fleischrindertag mit sehr guter Resonanz. Ein herzlicher Dank gilt den Referenten und der LVAT.

Traditionell wurden Züchter für ihre hervorragenden Kühe geehrt: "Elda P" (FLF) der Gesellschaft für extensive Rinderhaltung mbH, "Carlotta P" (FLF) aus der MURI GmbH - Rinderhaltung - , "Isabella P" aus der Hereford Mutterkuh GmbH und "Karla P" (FLF) aus der Landschaftspflege GmbH Lenzen (n.a.).

Die Auszeichnung für den komplettesten Bullen in der Stationsprüfung ging an die Agrargenossenschaft Wutzetz eG für Uckermärker "Max Pp"

Swen Keller, Fleckviehhalter aus Sachsen-Anhalt, zeigte am praktischen Beispiel den effektiven Aufbau von Elektroweidezäunen.

Eingewachsene Litzen verlieren ihre Wirksamkeit und das leise Klicken der Entladungen warnt den Beutegreifer u.U. vor der Stromleitung.

Besser: Straff gespannter, freigemähter 5-Litzen-Zaun mit einer Breitbandlitze als Abschluss.